Medienmitteilung

Zum Schweizer Tag des Abwassers (Samstag, 21. Mai 2011)

Nationales und internationales Engagement für bessere Abwasserentsorgung

Am kommenden Samstag, 21. Mai 2011, öffnen fast 60 Abwasserreinigungsanlagen (ARA) in allen Landesteilen der Schweiz ihre Türen. Mit der Durchführung des Schweizer Tags des Abwassers stellen Behörden des Bundes und nationale Fachverbände Fragen und Informationen rund um die Siedlungshygiene in den Mittelpunkt und machen auf die Herausforderungen bei der sanitären Grundversorgung in der Schweiz und im Ausland aufmerksam.

Heute muss rund ein Drittel der Menschheit ohne einfachste sanitäre Einrichtungen auskommen. Mit einer weltweiten Kampagne rief die UNO im 2008 der internationalen Gemeinschaft in Erinnerung, welche Verpflichtungen sie in den Bereichen Armut, Gesundheit und Umwelt im Rahmen der Millenniumsziele eingegangen ist, und wie wichtig die sanitäre Grundversorgung zum Erreichen dieser Ziele ist. Als Folge der ungenügenden Trinkwasserversorgung, der unzureichenden sanitären Einrichtungen und schlechter Hygiene leiden Millionen von Menschen an vermeidbaren Krankheiten wie Durchfall, Cholera und Parasiten. Genügend Trinkwasser und elementare sanitäre Einrichtungen sind jedoch Voraussetzungen, um Armut und Hunger zu bekämpfen und eine nachhaltige Entwicklung zu fördern.

Die Schweiz verfügt zwar über eines der besten Abwasserreinigungssysteme der Welt, ist aber doch mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Zur Erhaltung der Infrastruktur – Leitungen, Kläranlagen – braucht es sehr viel Geld. Und Mikroverunreinigungen zwingen uns, die Eliminationsleistung der Kläranlagen zu verbessern.

An der Medienkonferenz in Zürich zum Schweizer Tag des Abwassers wurde von Seiten des Bundesamtes für Umwelt betont, dass in der Schweiz mit dem Bau von Abwasserreinigungsanlagen die Gewässerqualität in den letzten 50 Jahren generell stark verbessert werden konnte. Rund 1500 Millionen Kubikmeter Abwasser werden jährlich in den ARA sachgerecht behandelt. Für das Problem der Eliminierung von Mikroverunreinigungen würden laufend Lösungen gesucht. In grosstechnischen Versuchen konnte gezeigt werden, dass sich die Mikroverunreinigungen und ihre unerwünschten Einwirkungen auf die Gewässer erfolgreich eliminieren lassen. Das Parlament hat der Schaffung einer schweizweiten verursachergerechten Finanzierung der Elimination von Mikroverunreinigungen zugestimmt und entsprechend den Bundesrat beauftragt, die Rechtsgrundlagen auszuarbeiten.

Für Peter Wiederkehr von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) gilt es zukünftig noch einen weiteren Punkt zu beachten: „Zur Beurteilung der Entwicklungstendenzen und Herausforderungen für die Abwasserreinigungsanlagen muss zwingend die demografische Entwicklung in der Schweiz berücksichtigt werden. Bis 2030 wird die Bevölkerungszahl in der Schweiz noch weiter anwachsen. Der Anteil der über 65-jährigen in der Bevölkerung wird sich in den nächsten Jahren weiter vergrössern, was zu einem gesteigerten Verbrauch von Pharmazeutika und damit zu höheren Konzentrationen von Arzneimittel-Rückständen im Abwasser führen wird.“ Peter Wiederkehr verschwieg nicht, dass die Abwasserreinigungsanlagen zwar grosse Energieverbraucher seien, doch: „Mit einer optimalen Nutzung der Ressource Klärgas, der Abwärme, dem Einsatz von energetischen Aggregaten und einer effizienten Betriebsweise des Klärwerks ist der Betrieb einer energieautarken Abwasserreinigungsanlage bereits heute möglich.“

Von einem „lautlosen Skandal des 21. Jahrhunderts“ sprach an der Medienkonferenz Thomas Zeller von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) in Bezug auf die nach wie vor prekäre Situation bei der sanitären Grundversorgung in den Entwicklungsländern: „Fast jeder fünfte Mensch der Weltbevölkerung verrichtet seine Notdurft unter freiem Himmel, auf einem offenen Feld oder in beziehungsweise an einem Gewässer.“ Dies sei neben den Gesundheitsrisiken, den Gefahren der Wasserverschmutzung und der fehlenden Sicherheit auch eine Attacke gegen die Würde des Menschen. Thomas Zeller hob in diesem Zusammenhang das über dreissig jährige Engagement der DEZA und des SECO (Staatsekretariat für Wirtschaft) hervor. Jährlich würden die beiden staatlichen Entwicklungsakteure weltweit über 130 Millionen Schweizer Franken in die Bereiche Wasser und Abwasser investieren. Thomas Zeller: „Zwischen 2003 und 2008 haben dank der Hilfe aus der Schweiz jährlich 370'000 Menschen Zugang zu Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung – sprich Toiletten – erhalten. Im Jahr 2010 haben die UNO-Mitgliedsländer den Zugang zu Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung als Menschenrecht deklariert. Als Mitunterzeichnerin dieser Deklaration ist auch die Schweiz aufgefordert, ihren Beitrag zur Reduktion der weltweiten Defizite im Bereich Siedlungshygiene auszubauen.

Koordiniert werden die nationalen, regionalen und lokalen Aktivitäten von folgenden Behörden und Organisationen: Bundesamt für Umwelt BAFU; Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA; Verband der Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute VSA; Bundesamt für Gesundheit BAG; Staatssekretariat für Wirtschaft SECO; Eidg. Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz EAWAG; Kommunale Infrastruktur KI (KI ist eine Fachorganisation des Städteverbandes und des Gemeindeverbandes); GRESE (Groupement romand des exploitations de stations d’épuration des eaux). Die eigentlichen „Träger“ des Schweizer Tag des Abwassers bilden die über 50 Abwasserreinigungsanlagen, Zweckverbände, Gemeinden und Städte, welche am kommenden Wochenende zum Tag der offenen Tür einladen und ihre Tätigkeiten und die Thematik informieren.

 

Download Medienmappe

 

Auskünfte erteilen:
Thomas Zeller, Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit,
Telefon 031 322 34 42
Peter Wiederkehr, Entsorgung und Recycling Zürich,
Telefon 044 645 55 86
Richard Lehner, Koordination Medienarbeit, Schweizer Tag des Abwassers,
Telefon 078 711 69 57