Einfache Lösungen und ein starkes soziales Engagement führen zu spektakulären Resultaten

Bangladesch: Ein gutes Beispiel

© Urs Heierli, Latrinenplatten
© Urs Heierli, Latrinenplatten

Bangladesch, eines der ärmsten Länder der Welt, hat eine beachtliche Entwicklung im Bereich der sanitären Grundversorgung und der Hygiene gemacht. Bis vor drei Jahren hatten nur 33% der Haushalte Zugang zu elementarsten sanitären Anlagen, heute sind es fast 80%. Dieser spektakuläre Erfolg wurde dank einer Sensibilisierungskampagne der Regierung mit dem UNICEF erreicht. Die Kampagne hat die Nachfrage nach Toiletten gewissermassen kreiert, indem sie diese als begehrenswerte Produkte positionierte, die den Lebenskomfort steigern und Privatsphäre schaffen.

Die Privatwirtschaft wurde so stark stimuliert, dass es zu einer wahren Explosion des Angebotes für günstige Modelle aus lokaler Produktion kam. Diese Resultate wären aber ohne die aktive Beteiligung der Bevölkerung nicht so eindrucksvoll gewesen. Ein Teil der Bevölkerung hatte zur Aufgabe, Praktiken in Bezug auf Hygiene zu kontrollieren und schlechten Angewohnheiten entgegen zu wirken. Dieser gesellschaftliche Druck hat zu einer progressiven Veränderung der Mentalität geführt. Der Aufbau von Toiletten hat die Zahl der Durchfallerkrankungen stark verringert und die Arztkosten signifikant gesenkt.

Indien: Innovationen nach Mass

© Sulabh, Zweikammer-Latrine
© Sulabh, Zweikammer-Latrine

In Indien hat Dr. Bindeshwar Pathak mit der Sulabh International Social Service Organization eine Bewegung für die Siedlungshygiene ins Leben gerufen. Er hat Techniken zur Beseitigung von menschlichen Exkrementen in Häusern und an öffentlichen Orten entwickelt.

Die Sulabh Latrine besteht aus zwei Kammern, die alternierend benutzt werden. Wenn eine Kammer voll ist, wird die zweite in Betrieb genommen. Während der langen Lagerungszeit in der unbenutzen Kammer (1-2 Jahre) werden die Exrementen zersetzt und getrocknet, die Krankheitskeime sterben ab. Das Risiko für Krankheitsübertragung wird dadurch deutlich vermindert. Der resultierende «Kompost» kann in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Bis zum heutigen Tag wurden in Privatunterkünften über eine Million Toiletten mit Wasserspülung installiert sowie rund 6000 öffentliche Toilettengebäude gebaut, die meisten davon in Elendsvierteln, wo für Toiletten wenig Platz zur Verfügung steht.

Sulabh hat mit der Entwicklung der hydraulischen Siphontechnik ein zweckmässiges, erschwingliches und kulturell akzeptiertes System entwickelt.

Die Toiletten kosten zwischen 10 und 1000 Dollar, je nachdem für welche Gesellschaftsschicht sie gebaut werden. Sulabh hat auch ein Ausbildungsprogramm entwickelt, welches der lokalen Bevölkerung Wissen über Toilettenbau vermittelt. Es gelang Sulabh die Öffentlichkeit in Indien auf das Thema Siedlungshygiene zu sensibilisieren.

Usbekistan: Das Leben nach der Agonie des Aralsees

© SECO, Personal des Amtes für Wasser und Siedlungshygiene der Stadt Nukus prüft die neulich installierten Pumpen
© SECO, Personal des Amtes für Wasser und Siedlungshygiene der Stadt Nukus prüft die neulich installierten Pumpen

 

 

 

Am Ufer des Aralsees liegt die Stadt Nukus. Die Folgen der ökologischen Katastrophe sind hier inzwischen spürbar. Die Austrocknung des Sees hat insbesondere zum Rückgang der Niederschlagsmengen, zu Salzstürmen und zum Anstieg des Salzgehaltes im Grundwasser geführt. Hinzu kommt eine Reihe vonschwerwiegenden Krankheiten.

Ein im Jahr 2000 lanciertes Grossprojekt zur Erneuerung des Abwassernetzwerkes hat zur Verbesserung der Lebensqualität und der Hygiene in Nukus beigetragen. Bilanz der im Jahr 2007 abgeschlossenen Arbeiten: 7 Pumpstationen, die Lieferung und Installation von 28 Pumpen, angemessene technische Unterstützung und die erstklassige Ausbildung von lokalem Personal. In der Stadt konnte so der Anschlussgrad der Haushalte auf 61% verdoppelt werden.

Eine öffentlich-private Partnerschaft zum Thema Händewaschen

Eine öffentlich-private Partnerschaft zum Thema Händewaschen

Diese globale Initiative wird von einer öffentlich-privaten Partnerschaft unterstützt und wurde 2001 mit der Botschaft "Wascht Euch die Hände mit Seife" lanciert. Neueste Studien haben gezeigt, dass das korrekte Waschen der Hände eine der effizientesten Massnahmen ist, um Durchfallerkrankungen und Infektionen der Atemwege vorzubeugen. Schon diese Massnahme alleine könnte die Fälle von Durchfallerkrankungen um fast 50% reduzieren und mindestens eine Million Leben retten.

Diese Botschaft zur elementaren Hygiene muss auch immer wieder an alle Gesellschaftsschichten in industrialisierten Ländern gerichtet werden, angefangen bei den Kindern in den Schulen bis zum Spitalpersonal.